Rainer Daus

Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten, Drama


  • Rainer Daus, Weststr. 12, 57319 Bad Berleburg  | Tel.: 0171-9084626  | Mail: daus.r@t-online.de

Vita:
Rainer Daus wuchs als Sohn eines Handwerkers und einer Verkäuferin in Berleburg (später: Bad Berleburg) auf. Nach dem Verlassen der Hauptschule wurde er zunächst Konditor, später Soldat. Anschließend arbeitete er in unterschiedlichen Berufen, bis er über den Zweiten Bildungsweg das Abitur nachholte und an der Universität Siegen Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft auf Lehramt Sek. I/II studierte. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst 2013 unterrichtete er an verschiedenen Gymnasien in Niedersachsen und NRW. Rainer Daus lebt und arbeitet heute als Schriftsteller, bildender Künstler und Kommunikationsberater in Bad Berleburg.
Nach kleineren Veröffentlichungen – vor allem Lyrik – in regionalen Tageszeitungen schuf Daus zwischen 2007 und 2009 in rascher Reihenfolge drei Romane und eine Erzählung; im Zentrum dieser Prosa steht die literarische Figur Cornelius Kreutz, ein Aufsteiger aus einfachen Verhältnissen, der es vom „Bäcker mit Hauptschulabschluss“ bis zum Studienrat an einem Gymnasium geschafft hat, indes zunehmend an seinen persönlichen wie beruflichen Erwartungen scheitert, psychisch erkrankt und sich erschießt.
Es folgten ein Band mit Kurzgeschichten (Siebzehn Tage; 2016), ein Band mit moderner Lyrik (Tränen, einfach so; 2016) sowie das Drama Der Männerabend, ein 1-Akter, der – wie eigentlich das Gesamtwerk des Autors – das Männerbild in heutiger Zeit thematisiert.
Nachdem sich Daus in den Jahren 2017 und 2018 vor allem auf die Publikation von moderner Lyrik und Kurzgeschichten in Anthologien konzentriert hatte, schuf er in 2019 mit der Novelle "Brandts Geheimnis" erstmals wieder ein umfangreicheres belletristisches Werk; neben dem zentralen Thema, wie die Rolle des Mannes in der modernen Gesellschaft zu definieren sei, tritt in seiner Prosa zunehmend die Dimension des Todes und damit naturgemäß die Frage, was letztlich von einem Menschen bleibt, "wenn er nicht mehr ist".

Öffentliche Kontoverse um das Gedicht »Die Jungfrau aus dem Norden«
Nach der Markteinführung des Gedichtbandes »Die Jungfrau aus dem Norden« (Herbst 2019) erschienen in der regionalen Presse (Siegener Zeitung / Westfalenpost) verschiedene Rezensionen, Berichte und Kommentare, die in der Tendenz einen »Verriss« zwar nicht des gesamten Werkes, so aber doch des titelgebenden Gedichts offensichtlich werden ließen. So titelte die WP-Redakteurin Britta Prasse ihren Kommentar vom 28. September: »Geschmackloser Daus«; sie unterstellte ihm eine Diffamierung der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg, indem sie Daus vorwarf, »Frauenfiguren in einen sexualisierten Kontext« zu zwängen. In der Folge dieser öffentlichen wie auch in sozialen Netzwerken geführten Kontroverse um das Gedicht legte Daus sein Amt als Beisitzer im Vorstand der Wittgensteiner Kunstgesellschaft nieder, um dem Kunstverein nicht zu schaden. Verschiedene Künstlerinnen drohten sogar damit, eine bevorstehende Gemeinschaftsausstellung boykottieren zu wollen, wenn Daus – wie eigentlich zunächst geplant - die Einführungsrede halten sollte. Heimische Gymnasien lehnten eine vom Autor angebotene Lesung und eine Diskussion zum Thema »Funktion und Bedeutung von Literatur in Zeiten von Netflix, Instagram, Youtube & Co« ab und die Stadtbücherei Bad Berleburg wies die Schenkung des Werkes »Die Jungfrau aus dem Norden« zurück mit der Begründung, dass die Stadtbücherei einen Bildungsauftrag zu erfüllen habe, »speziell auch für Kinder und junge Erwachsene (…), der mit Ihren im Gedicht verarbeitenden Ansichten nicht in Einklang zu bringen ist«. Da Daus frühzeitig erkannte, wie durch die öffentliche Diskussion die unvoreingenommene Rezeption seines Werkes »fast schon unmöglich« gemacht wurde, zumal die des Gedichts »Die Jungfrau aus dem Norden«, schrieb er an Zeitungsredaktionen einen Leserbrief, um eine Art »Gegendarstellung« zu erwirken. Unter Punkt 7 in diesem Text heißt es: »Dass die zeitgenössische Literatur auch `sexualisierte` Sprache nutzt, die bis an die Grenze geht (`Tabubruch`), ist nichts Neues in der Literaturgeschichte. Sexualisierte Kontexte haben eine literaturgeschichtliche Tradition (…). Wollte man, da man meint, eine solche Sprache fördere oder mache den `Sexismus` hoffähig, diese Ausdrucksform aus der Literatur verbannen, dann müsste man mindestens siebzig Prozent aller literarischen Werke nach 1945 aus unseren Bibliotheken verbannen.« Die Publikation dieses Leserbriefs, der auch Interpretationsansätze des umstrittenen Gedichts anbot, erfolgte jedoch nicht.

»Cancel culture« als Diskursverweigerung und Instrumente der »Gegenaufklärung«
Das Problem der massenmedial inszenierten Dikreditierung einer »öffentlichen Person« thematisierte Daus in seinem im Sommer 2020 publizierten 1-Akter »Der tiefe Fall des Wolfram Harth«. In diesem Stück versucht Daus die Mechanismen offenzulegen, mit denen bestimmte »Kunstkritiker« bestrebt sind, Künstler aus dem öffentlichen Diskurs auszuschließen, sobald sie mit ihrem Werk vom »mainstream« bzw. von einer wie auch immer gearteten oder definierten »political correctness« abweichen. An einer Stelle dieses Dramas heißt es: »Wer die moralische Macht besitzt, definiert die Grenzen der Toleranz.« In einem Pressegespräch mit der Siegener Zeitung machte Daus deutlich, dass die Bewertung und Beurteilung bzw. auch öffentliche Verurteilung seines titelgebenden Prosagedichts »Die Jungfrau aus dem Norden« eine Vielzahl von Indizien geliefert habe für eine auch im deutschen Kulturbetrieb inzwischen wahrnehmbare Diskurstendenz, die als »cancel-culture-Strategie« bezeichnet werden könne (vgl. Siegener Zeitung vom 12.11.2020, S. 8). Im SZ-Gespräch mit Redakteur Alexander Kollek wie auch in seinem Website-Prolog (vgl. https://rainer-daus.de) macht Daus indes nachdrücklich darauf aufmerksam, dass man bei der Bewertung von zeitgenössischen Produkten des Kunstbetriebs (z. B. Gedicht, Roman, Liedtexte usf.) prinzipiell differenzieren müsse zwischen »Rolle« (z. B. Schriftsteller) und Person und dass man nicht selten einem Trugschluss aufsitze, wenn man als Rezipient von Kunst die »Botschaft« bzw. den »Sinngehalt« eines künstlerischen Werks unhinterfragt mit der Meinung oder Weltsicht des Urhebers (Künstlers) gleichsetze. Vor dem Hintergrund solcher Tendenzen vertritt Daus auch öffentlich die Auffassung, dass es an der Zeit sei, Instrumente der »Gegenaufklärung« zu ergreifen (z. B. Interviews, Essays usf.), um die wertgeschätzte »offene« Diskurstradition, die nicht zuletzt im bundesrepublikanischen Kunstbetrieb nach 1945 vorgeherrscht habe, auch in Zukunft aufrechterhalten zu können.

Veröffentlichungen:
Rainer Daus: Und schweigen. Auf ewig. Gedichte. Berlin 2020.
Rainer Daus: Der tiefe Fall des Wolfram Harth. Drama. Berlin 2020.
Rainer Daus: Brandts Schuld. Erzählung. Berlin 2020
Rainer Daus: Die Jungfrau aus dem Norden. Gedichte. Berlin 2019.
Rainer Daus: Brandts Geheimnis. Novelle. Berlin 2019.
Rainer Daus: Fünfzehn Tritte. Kurzgeschichten. Berlin 2019.
Rainer Daus: Tränen, einfach so. Gedichte. Münster 2016.
Rainer Daus. Der Männerabend. Drama. Münster 2016.
Rainer Daus: Siebzehn Tage. Kurzgeschichten. Münster 2016.
Rainer Daus: Der Lebensmüde. Erzählung. Münster 2009.
Rainer Daus: Das Jesuskind. Roman. Münster 2008.
Rainer Daus: Die Seelenkrüppel. Roman. Münster 2007.
Rainer Daus: Der Studienrat. Roman. Münster 2007.


Siehe auch:
Bildende Kunst / Bildende Künstler: Rainer Daus
Bildende Kunst / Bildende Künstler: Enric Schumacher

© Kultur!Büro. Kreis Siegen-Wittgenstein - Kulturhandbuch im Internet • KHB 3264.HTM / 16.11.2020 |